Inhalt

Vaterlos sind die Bienen: Königin und Arbeiterinnen bilden ihren sammelwütigen Staat, ein großes Matriarchat. – Allein mit der Mutter lebt Lukas im Wald. Sein Vater ist ihm unbekannt; das Kind ist zwar im Weitsprung begabt, aber die Sprünge gehen ins Leere: Hartnäckig schweigt seine Mutter auf Fragen nach dem Unbekannten, der sich längst in Lukas zeigt – im gewaltbereiten Kind, das da nach Mutters Plan von der Natur erzogen wird. Dieses Kind, in Phantomschmerz gehalten, muß sich wehren, und also greift „die Natur“:
Asche stiebt auf, als Lukas daherspringt. Hier hat es schrecklich gebrannt; weiß und wüst liegt der riesige Tatort – die verhaßte Natur ist getroffen. Vierzehn Bienenstöcke standen am Waldrand; jetzt, von unbekannter Hand zerstört, glosende Stümpfe, rufen sie mit Peter einen gründlichen Inspektor, in Lukas’ Augen den möglichen Vater, auf den – heimlich geschmiedeten? – Plan: einen Ermittler – der Mutter verbunden? – in eigener Sache?
Als auch Wim, der Wanderimker, „noch so ein Vater, gewesener Häftling, erscheint, setzt die große, von allen ersehnte Suchbewegung ein. Alle sind dabei verdächtig: mögliche Täter, wie sie sammeln und reden. Aus ihren Spuren, die weit zurück reichen, und den Schlüssen, die sie ziehen, entsteht ein zitterndes Bild, von Bienen erwidert – die sie umkreisen.

Musik

Die Musicbanda Franui verwandelt die Bienengeschichte von Händl Klaus in ein Musikstück: Dabei verbindet sich unsere Klangbatterie (die besondere Mischung aus Holz- und Blechbläsern, Saiteninstrumenten und Streichern) erstmals mit einem Knabensopran. Und: Die musikalischen Vorgänge im Bienenstock vom hellen Gesang der Königin bis hin zum metallischen Klang von Schlagwerk, das der Imker beim Einfangen eines Bienenschwarms zuweilen in die Hand nimmt dienen uns als Grundlage für die Erfindung einer musikalischen Welt, in der Vertrautes verdunkelt erscheint und Fernes plötzlich in die Nähe rückt.

Besetzung

Regie: Nicolas Liautard
Auftragswerk der Salzburger Festspiele

Welturaufführung am 23. August 2012, Landestheater Salzburg
Stefan Kurt, Peter
André Jung, Wim
Brigitte Hobmeier, Kathrin
Ein Wiltener Sängerknabe, Lukas

Musicbanda Franui:
Johannes Eder, Klarinette, Bassklarinette
Andreas Fuetsch, Tuba
Romed Hopfgartner, Altsaxophon, Klarinette
Markus Kraler, Kontrabass, Akkordeon
Angelika Rainer, Harfe, Zither, Gesang
Bettina Rainer, Hackbrett, Gesang
Markus Rainer, Trompete, Kornett, Gesang
Andreas Schett, Trompete, Kornett, Gesang
Martin Senfter, Ventilposaune, Gesang
Nikolai Tunkowitsch, Violine

Komposition: Andreas Schett, Markus Kraler
Regie: Nicolas Liautard
Bühnenbild: Giulio Lichtner, Nicolas Liautard
Kostüme: Marie Odin
Lichtdesign: Jérémie Papin

Pressestimmen

„Ein Gesamtkunstwerk aus Text, Schauspiel, Musik und Bildern. Ein heidnisches Ritual um Sex und Gewalt. Definitiv der Höhepunkt des diesjährigen Salzburger Schauspielprogramms. (…) Bleibt die zehnköpfige Franui-Truppe zu würdigen. Die mit Berg und Bienengesumm, mit Gesang, Hackbrett, Harfe und picksüßem Hözl, von Volksliedklängen über Beinah-romantischer-Oper bis Klemzersound alles gibt. Ein so anspruchsvoll artifizieller wie lustvoller Abend.“
(Kurier)

„Schon der Beginn zeigt das dramaturgische Konzept dieser Musik, die Verbindung von Schönheit, Wildheit, Tiefgang, Melancholie und Moderne, und jeder Menge Spaß, mit denen die Musicbanda Franui schon lange erfolgreich alpenländischen Sound und klassisches Liedgut verbindet. (…) Begeisterter Applaus für einen ebenso schaurigen wie luftigen musikalischen Theaterabend und für eine neue Form von Theater: das modernisierte Singspiel, die Sprech-Fuge, das Musikstück.“
(Deutschlandfunk)

„Händl Klaus hat ja dezidiert kein Sprech-, sondern ein ,Musik-Stück’ geschrieben und ,Meine Bienen.Eine Schneise’ ebenso dezidiert der Osttiroler Musicbanda Franui gewidmet, diesen mutigen Quergängern, die ihren Stil darin gefunden haben, keine Stilgrenzen zu akzeptieren – aber dafür musikalische Urlust zu leben und auf den erhellenden Side-Kick zwischen U- und E-Musik zu vertrauen. ,Meine Bienen’ sind so zum musikalischen Hummelflug geworden, zur Oper beinah. Das wächst vom Melodram hinüber zur Bänkelsänger-Ballade, es knallt blechern, fokussiert sich aber auch sehr subtil in sechs frühen Liedern von Alban Berg. Da wird gefühlig koloriert und deftig mit heimischen und exotischen Volksmusikelementen jongliert.“
(Nachtkritik.de)


„Viel Jubel und großen Applaus hat die Uraufführung von ,Meine Bienen. Eine Schneise’ bei den Salzburger Festspielen geerntet. Im Stück von Händl Klaus und dem Musikensemble Franui wird das Bienenvolk zu einer Metapher für eine vaterlose Familie, deren tragische Geschichte in der Asche eines Waldbrandes langsam und doch mit voller Wucht offebart wird.“
(ORF.at)


„Die eigentliche Hauptrolle spielt aber die Franui-Musik: eine formschöne Klangtapete, von Markus Kraler und Andreas Schett komponiert, auf Holz- und Blechbläser gestützt und mit der Wiener Moderne lose liiert.“
(Der Standard)

„Die Musik von Franui, angereichert mit Alban Bergs ,Jugendliedern’, ist eine eigenständige Komposition, die Satire, Spott, Lyrik, Mystik dieser kleinen Geschichte von der großen geheimen Grausamkeit des Menschen hinreißend illustriert und mit schrägen Tönen wie eine Parodie auf den Konzertbetrieb wirkt.“ (Die Presse)

„Mit viel Applaus ist bei den Salzburger Festspielen die Uraufführung von ,Meine Bienen. Eine Schneise” zu Ende gegangen. Der Bühnetext des Tirolers Händl Klaus präsentiert sich im Salzburger Landestheater durch die intensive Zusammenarbeit mit den Musikern und Komponisten Andreas Schett und Markus Kraler mehr als Oper denn als Sprechstück. Das rätselhafte Gewebe aus Poesie und Musik, in dem es um die Vatersuche eines Buben vor dem Hintergrund eines vermutlich gelegten Waldbrandes ebenso geht wie um den Kampf des Menschen gegen die Natur, hatte in der Regie des Franzosen Nicolas Liautard seine lyrischen, aber auch seine komischen Momente.“
(APA)