»Album für R. S.«

Franuis Hommage an Robert Schumann.

Musikalischer Ausgangspunkt sind dabei die Geistervariationen (Thema mit Variationen in Es-Dur für Klavier WoO 24), das letzte von Schumann vollendete Werk vor seiner Einlieferung in die Irrenanstalt. Mitten im Komponieren der Variationssätze ging er an einem Rosenmontag halbbekleidet in den Rhein (der Komponist Aribert Reimann vermutet, dies sei zwischen der 4. und 5. Variation geschehen). Die Geistervariationen – wie überhaupt das gesamte sogenannte Spätwerk – galten jahrzehntelang als Werke von minderem Wert: Zu sehr waren sie aus Sicht seiner engsten Angehörigen und Freunde Ausdruck von des Komponisten besorgniserregendem Geisteszustand. Clara notierte: „Schumann wähnte sich in jenen Tagen von Geistern umgeben, die ihm teils ‚wundervolle‘, teils ‚grässliche‘ Musik darboten, die ihm ‚herrlichste Offenbarungen‘ verhießen, ihn aber auch ‚in die Hölle zu werfen‘ drohten.“ Franui entwickeln aus Schumanns Musik (neben den Geistervariationen bearbeiten sie auch mehrere Lieder sowie Klavierstücke aus dem Album für die Jugend und aus den Wald- und Kinderscenen) neue musikalische Gebilde, die zwischen Elysium und Fegefeuer oszillieren, zwischen Schönheit, Traum und Irrsinn, zwischen himmel-hoch-jauchzend und zu-tode-betrübt.

Komposition und musikalische Bearbeitung:
Markus Kraler/Andreas Schett nach Werken Robert Schumanns

Pressestimmen

„Drehpunkt Kultur“

Spielerisch genial, genial spielerisch
Von Christiane Keckeis

Wenn die Musicbanda Franui kommt, geht ein Raunen durch die eingeschworene Fangemeinde: großartig, außergewöhnlich, phantastisch sind Attribute, die dem Ensemble vorauseilen. In einem Stiftungskonzert im Großen Saal war Franui wieder einmal in Salzburg zu hören. Der gute Ruf hat sich einmal mehr bestätigt.
Was Franui (aus)macht, das ist das Spiel. Ein Spiel mit dem Fremden. Ein Spiel mit dem Eigenen. Nicht immer leicht, durchaus ernsthaft, manchmal frivol, mutig allemal. Ein Spiel, dass alles auf den Kopf stellt, neue Blickwinkel zeigt: Das Vertraute wird fremd, das Fremde plötzlich vertraut. Ein Spiel mit den Stilen, mit der Besetzung, mit der Sprache. Intelligent, ja, aber dann auch emotional, manchmal genial. Ein Erlebnis mit Kopf, Herz und Sinnen. Und dabei machen sie eigentlich nur Musik, eingebettet in fein geführter kabarettistische Moderation. Mitreißend.„Album für R.S.“ heißt das Programm. Robert Schumann steht im Mittelpunkt. Einer, der sich fremd fühlte in der irren Welt, die seinen Zeitgenossen so vertraut schien. Franui nimmt sich seiner an, verknüpft seine Kompositionen, liest sie neu – und zwischen der Ouvertüre „Ein Jüngling“, die gleich fünf Schumannsche Werke zitiert und verbindet, über den Trauermarsch aus Schumanns Klavierquintett mit dem bezeichnenden Titel „Null Rest“ (Keine Ruhe), über Schumanns mysteriöse Geistervariationen, über Schlaf, Kindlein schlaf bis hin zur Schlussmusik spannt sich der unruhige Lebensbogen. Zwischen grabesschwerer Traurigkeit und innigster Schönheit. Fremd und eigen – und doch nah und vertraut.Allein die bekannte Besetzung der Musicbanda Franui genügt schon für ein Verfremdungselement. Tuba, Kontrabass, Akkordeon, Posaune, Hackbrett, Saxophon, Harfe, Klarinette, Violine, Trompete – ein wilder Haufen. Aber: Es klingt. Und jeder und jede kommt zum Zug. Die Kompositeure Markus Kraler und Andreas Schett legen Wert auf feinst ausgeklügelte Instrumentierung, manchmal schlichtweg genial – und unglaublich. Fremd. Vertraut. Bläsersätze von samtiger Dichte, schmissige Jazzeinlagen, ja, toll das kennt man.Bassklarinette mit traurig lyrischen Linien, konterkariert vom scheppernden Xylophon: das wirkt schaurig schön. Oder: ganz innig musizieren Harfe, Kontrabass im Pizzicato und Bassklarinette, bis Violine und Klarinette die Intimität brechen. Klangzaubermomente wie aus einer anderen Welt im Kontrast zu scheinbar Altbekanntem. Und das immer wieder: grad noch ein Schmunzeln über einen Witz und dann schwupps wird man gezogen in emotionale Tiefen, schier unendlich, um – hoppla – im nächsten Moment wieder in skurilsten Stimmungen voller seltsamer Bilder zu landen. Eine abenteuerliche Reise.Dass alle Musizierenden hochkarätige Ausnahmemusiker sind, dass das scheinbar so leichte zum Teil verflixt schwer ist und trotzdem nahezu perfekt daher kommt, dass sie nicht nur ihren Instrumenten alle gewünschten Klangfarben entlocken, sondern auch beim Singen stimmlich im harmonischen Einklang sind, dass an Andreas Schett ein Kabarettist verloren gegangen ist – all das ist das I-Tüpfelchen einer wunder-vollen Gesamtvorstellung, die ein heiteres, bewegtes, berührtes Publikum entlässt, dass begeisterten Applaus spendet (und mit Zugaben reich belohnt wird). Jo – danksche (O-Ton), Franui!