„Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“

„Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“

Nach einer ersten erfolgreichen Zusammenarbeit der Musicbanda Franui mit dem Puppenspieler Nikolaus Habjan bei der Vertonung der Shakespeare-Sonette im Wiener Burgtheater, ist nun eine neue Produktion zu sehen: In „Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“ geht es um das Motiv des Wanderers, das die Menschheit seit eh und je beschäftigt. Im Zusammenspiel von Musik (Franui frei nach Schubert, Schumann, Mahler), Wort (Liedtexte, Robert Walser) und Puppe (Nikolaus Habjan) wird einer gleichermaßen bewunderten und gehassten Symbolfigur nachgespürt, die alles hinter sich lässt, um sich auf die Suche zu begeben, ohne das Ziel der Wanderung auch nur zu erahnen. Ein Sinnsuchender, der bei Robert Walser zwischen den Zeilen seines Bleistiftgebietes hervorlugt und bei Schubert „vom Gebirge her“ kommt, wie man weiß. Dort singt man ein Begräbnislied, es geht so: „Wir sind nur Gast auf Erden / und wandern ohne Ruh’ / mit mancherlei Beschwerden / der ewigen Heimat zu.“

Musicbanda Franui & Nikolaus Habjan (Puppenspiel)

Musik von Franui nach Schubert, Schumann, Brahms, Mahler
Texte von Robert Walser und Jürg Amann sowie Liedtexte
Konzept, Dramaturgie:
Nikolaus Habjan, Markus Kraler, Andreas Schett

Uraufführung im Rahmen des Festivals Imago Dei am 14. März 2015 in der Kremser Minoritenkirche, weitere Termine stehen in unserem Konzertkalender!

Videoclip zum Stück

Beitrag auf ORF III „Kultur Heute“

Pressestimmen

„Tiroler Tageszeitung“

So hell und zugleich so melancholisch schwarz
Franui und der Puppenspieler Nikolaus Habjan präsentierten in Erl ihr neues Programm „Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“.

Von Edith Schlocker

Erl – Bevor es überhaupt begonnen hat, gibt es schon den ersten Applaus, die ersten Lacher: Als Nikolaus Habjan mit seiner noch kopflosen Puppe in der einen und einem Koffer in der anderen Hand von ganz oben kommend durch den Mittelgang des Zuschauerraums des Erler Festspielhauses auf die Bühne „wandert“. Ein Kleinkind beginnt zu quengeln – ob das zum Programm gehört, ist in diesem Moment gar nicht so klar. Zur Stimmung passt es jedenfalls wunderbar.
Auf der Bühne angekommen, beginnt Habjan, seinen Koffer auszupacken. Die Puppe bekommt nun ihren Kopf und beginnt sofort zu sprechen: „Wer nie verloren im Wind, kann sich nie finden.“ Passende Worte für eine stimmig auf eineinhalb Stunden komprimierte Wanderung durch die Jahreszeiten, bei der sich die von der Musicbanda Franui auf ihre unvergleichliche Art interpretierte Musik von Schubert, Schumann, Brahms und Mahler mit den von Habjan seinem Alter Ego in den Mund gelegten Texten von Jürg Amann und Robert Walser auf Augenhöhe gegenüberstehen. Ist in diesem sich teilweise reizvoll überschneidenden Doppelspiel doch nichts Illustratives, das jeweils andere Genre Erklärendes. Vielmehr drückt die Musik das aus, was mit Worten nicht zu sagen ist und umgekehrt.
[…]
Die eingeschlagene Reise ist lang, beginnt leichtfüßig im Frühling und versinkt voll Schwermut im winterlichen Schnee. Eine Wanderung, die als Metapher für das Leben zu lesen ist, in dem alles seine Zeit hat: der fröhliche Aufbruch ebenso wie die tieftraurige Resignation. Und natürlich die Liebe, die bei Schubert genauso wie bei Walser allerdings im besten Fall bittersüß, meist aber hoffnungslos ist.
Habjan versteht es fabelhaft, hinter seinem Alter Ego zu verschwinden, ihm sämtliche Facetten von Emotionen einzuhauchen. Um bisweilen fast ein bisschen zu weit zu gehen, wenn er etwa zu den schubertschen Klängen von „... und schauderhaft sein Grab“ einen in einen schwarzen Schleier gehüllten Totenkopf aus dem Koffer zaubert, […] bevor mit dem schrägen Trauermarsch „In die Dunkelheit“ das restlos begeisterte Publikum aus dem immer heller werdenden Saal in einen heißen Sommertag entlassen wird.


„Niederösterreichische Nachrichten“

[…] Regelrecht gestürmt wurde der musikalisch-literarische Abend mit Franui und Habjan im Hofheurigen. Auch bei den Osttiroler Musikern und dem Puppenspieler und Nestroypreisträger Nikolaus Habjan fand sich das Motiv eines Sinnsuchenden auf seinem Lebensweg wieder. „Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus“ handelte von einem, der alles hinter sich lässt und sich aufmacht, ohne das Ziel der Wanderung auch nur zu erahnen. […]