Tanz! (Franz)

Tanz! (Franz)

Die 10 Musiker von Franui spielen Tanzmusik aus hochalpinem Gebiet und aus der Tiefebene, zwischen Schubert, Bartók und Osttiroler Jungbauernball, quer durch musikalische Epochen und Stile.

Die Musicbanda auf dem Tanzboden? Bläst das Ensemble aus dem 1402 m ü.d.M. gelegenen kleinen Osttiroler Dorf Innervillgraten nicht vorwiegend Trauermärsche? Sind die Musiker nicht bekannt geworden, da sie mit einem berglerischen Instrumentarium Liedern von Schubert, Brahms und Mahler zu Leibe rückten?

Der Trauermarsch und die Polka sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille, lehren uns die Musiker von Franui, der Friedhof und der Tanzboden liegen nahe beieinander. Mit Saiteninstrumenten, die man aus der Volksmusik kennt (wie Hackbrett, Volksharfe, Zither), Holz- und Blechbläsern, Streichern (Violine, Kontrabass) und Stimmen kann man nicht nur Lieder der Romantik verwandeln. Man kann auch auf einer Beerdigung spielen – und auf der Tanzfläche reüsssieren!

„Wenn du einen Trauermarsch viermal so schnell spielst, wird’s eine Polka.“

„Tanz! (Franz)“, erhältlich ab sofort im Shop unseres Plattenlabels col legno!

Andreas Schett bei "heute leben" ORF2

Pressestimmen

Pressestimmen

„Jedes der 16 Stücke ist ein Kunstwerk, und auch nach dreimaligem Hören dieser 55 Minuten Musik weiß man nicht, welches denn nun das schönste ist.“
(BR-Klassik)

„Verspielt virtuos modellieren sie aus altem Material etwas vollkommen Neues ohne dass es akademisch oder steif wirkt.“
(MDR Figaro)

„Unsterbliche Musiken von Schubert, Bartók, Mozart, Bruckner und Strauss dürfen im unverwechselbaren Franui-Sound ihr zweites Leben beginnen (...)“
(F.A.Z.)

„Vom Schluchzer zum Juchzer dauert es vier Minuten.“
(Tiroler Tageszeitung)




Das neue Land des Lächelns – Die Osttiroler Musicbanda „FRANUI“ beschert mit „Tanz! (Franz)“ einen sommerlichen Hör-und Sehgenuss


von Mirjam Steinbock

Mit Witz und Verve wurde man am Freitagabend im Rahmen des Seelax-Festivals durch einen geschichtsträchtigen Konzertabend geführt. Tatsächlich wurde man aber ver-führt: Klassische Lieder verwoben sich homogen mit Volks- und zeitgenössischer Musik und Geschichten um große Komponisten und Schriftsteller fanden ihren Boden in einem Dorf in Osttirol. Die Landschaft und das Lokalkolorit der Berggemeinde Innervillgraten kamen durch das lebhafte Spiel mit Klängen, Tönen, Rhythmen, Worten und Schrift im Vorarlberger Landestheater in derart greifbare Nähe, dass eine erfrischende Sommerbrise auf der Almwiese Franui, deren Namen das Ensemble einst annahm, körperlich spürbar wurde.
Ein Konzert von FRANUI zu erleben, ist weit mehr, als gute Musik zu hören. Andreas Schett, Gründungsmitglied und musikalischer Leiter, begrüßt das Publikum im breitesten Innervillgratner Dialekt mit „Griaß enk, mir hoaßen FRANUI“ und sorgt schon mit dem ersten Satz für herzhaftes Gelächter. Schett übernimmt bei Konzerten die Rolle des Erzählers. Seine Worte sind übertitelt, damit ist für Verständnis gesorgt, aber beim Lesen wird bewußt: es ist jedes Satzzeichen und jedes Wort so präzise gesetzt, man ahnt bereits die Fährte, die FRANUI für das Folgende auslegt. Mit feinem Humor und spitzbübischem Blick gewährt Schett dann unterhaltsame Einblicke in das Leben der knapp 1000 Einwohner großen Gemeinde im Villgratental und erzählt quasi aus dem Nähkästchen, wie es sich mit Zuwanderern und Auswanderern verhält, was es mit dem Sternsingen auf sich hat und wie weitreichend die Konsequenzen einer Schlägerei im Dorfgasthaus sein können. Jeder Geschichte folgt jeweils ein Musikstück, dessen Namen von „Sowieso“ über „Vorwärts rückwärts seitwärts“ bis zu „Ringelreigenwatschentanz“ reicht. Wer das Ensemble kennt, weiß wie unvergleichlich und auch unverkennbar der FRANUI-Stil ist. Ein Stil, der eigentlich gar keiner sein möchte und auch keine Zuordnung in eine Schublade zulässt.

Marsch tanzt mit Polka

Sie spielen klassische Stücke von Schubert, Mozart oder Bartók, sie versehen diese mit anderen Tempi, lassen poppige wie volksmusikalische Elemente einfließen, streichen zärtlich über die Saiten und traben schließlich in eine elegante Volte um zeitgenössische Musik. Ein Marsch mündet plötzlich in einer Polka - viermal so schnell gespielt, passiere das, meint Schett. „Nicht umblättern, weiterspielen!“, lautet auch das Credo von FRANUI. Dieses scheinbar selbstverständliche Weiterspiel großer Werke wirkt leicht, manchmal sogar frech. Auf alle Fälle überraschend. Was aber stets mitschwingt, das ist eine große Liebe zur Musik und zur Heimat, eine unbändige Freude am Spiel und die Achtung vor dem Ursprungswerk.

Vom Dorf in andere Gefilde

Vor 23 Jahren gründeten die zehn MusikerInnen die Musicbanda, probten in einem Keller und gaben das erste Konzert in einem Heustadl. Als Debüt vertonten sie den Andreas Hofer-Stummfilm „Der Freiheitskampf des Tiroler Volkes“, sorgten auch über die Grenzen hinaus für Furore und brachten mit ihrer ironischen Interpretation des Heldentums dabei so manchen Schützenverein auf die Palme. Es fand eine Spaltung der Bevölkerung statt. Die Einen waren von FRANUI und deren Vorhaben, zeitgenössische Kunst in den Ort zu bringen, begeistert, die Anderen wendeten sich ab. Mehr noch. 1996 vereitelte ein Brandanschlag – bis heute ungeklärt – einen Auftritt in einem alten Bauernhaus in Innervillgraten. FRANUI nahm das zum Anlass, andere Gefilde zu erobern. Mittlerweile sind sie längst geadelt durch internationale Auftritte bei renommierten Festivals und durch die florierende Zusammenarbeit mit Künstlerkollegen anderer Sparten. Was für ein Glück, dass sie der Einladung Willi Pramstallers nach Bregenz folgten und erstmals seit 2006 wieder vor Ort waren. Wer FRANUI bis dato noch nicht live erleben durfte, sollte dies nachholen. Deren Musik und Geschichten sind ein wahrlich nachklingendes Erlebnis. Und das berührende Lächeln auf den Gesichtern der Musicbanda während des Spiels – das darf man sogar mitnehmen.
(Kultur - Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft, August 2016)